Jump to content

File:Wanderbuch von Zeugschmied Ludwig Willimann anno 1834.pdf

From Wikimedia Commons, the free media repository
    Go to page
    next page →
    next page →
    next page →
    Original file (1,239 × 1,939 pixels, file size: 3.07 MB, MIME type: application/pdf, 4 pages)

    Captions

    Captions

    Add a one-line explanation of what this file represents

    Summary

    [edit]
    Description
    Deutsch: Von 1834 bis 1838 arbeitete Ludwig Willimann bei seinem Vater Michael Willimann in Albert Hauenstein, Deutschland.

    Das Wanderbuch des Zeugschmieds Ludwig Willimann aus dem Jahr 1834 gehört zu den seltenen handwerkshistorischen Quellen des frühen 19. Jahrhunderts in der Schweiz. Es dokumentiert nicht nur die berufliche Wanderschaft eines Handwerksgesellen, sondern erlaubt auch einen tiefen Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt eines ländlichen Schmiedes in der Zeit vor der Industrialisierung.

    Im 19. Jahrhundert war es im deutschsprachigen Raum üblich, dass junge Handwerker nach ihrer Lehrzeit auf Wanderschaft gingen. Diese sogenannte „Walz“ oder „Gesellenwanderung“ hatte mehrere Funktionen: Erwerb neuer technischer Kenntnisse, Kennenlernen anderer Werkstätten und Produktionsweisen, Aufbau beruflicher Kontakte, persönliche Reifung und soziale Kontrolle.

    Als offizielles Dokument diente dabei das Wanderbuch. Darin wurden Aufenthaltsorte, Arbeitsstellen, Verhalten und Empfehlungen eingetragen. Ohne ein solches Buch konnten Gesellen kaum legal reisen oder Arbeit finden.

    Ludwig Willimann stammte aus der Gegend von Münster beziehungsweise dem heutigen Beromünster im Kanton Luzern. Die Familie Willimann war eng mit der regionalen Zeugschmiedetradition verbunden. Zeugschmiede spezialisierten sich auf Werkzeuge und metallene Gebrauchsgegenstände, insbesondere für Handwerksberufe wie Schuhmacher oder Bauern.

    Nach Angaben der Familienchronik arbeitete Ludwig Willimann mehrere Jahre als Zeugschmied in Deutschland. Das Wanderbuch belegt diese Tätigkeit ausdrücklich. Die Quellen nennen dabei besonders das Jahr 1834 als Beginn beziehungsweise wichtige Phase seiner Wanderschaft. 1838 kehrte er offenbar in die Heimat zurück und übernahm den Betrieb seines Onkels Xaver Willimann.

    Das Wanderbuch besitzt deshalb eine doppelte Bedeutung: Es dokumentiert die Ausbildungs- und Wanderjahre Ludwig Willimanns und es markiert den Übergang vom wandernden Gesellen zum selbständigen Meister.

    Ein Wanderbuch enthielt gewöhnlich Personalangaben, Herkunftsort, Beruf, Reisegenehmigungen, Einträge von Arbeitgebern, Polizeiliche Kontrollen und Verhaltenszeugnisse.

    Dadurch war das Wanderbuch zugleich Pass, Arbeitszeugnis, Identitätsnachweis und Kontrollinstrument. Gerade in der Restaurationszeit nach den napoleonischen Kriegen überwachten Behörden reisende Handwerker sehr genau.

    Das Jahr 1838 war für Ludwig Willimann entscheidend. Laut Verkaufsurkunde übernahm er Werkzeuge und Ausstattung seines Onkels Xaver Willimann. Dazu gehörten ein Schmiedeamboss, ein Blasbalg, ein Schraubstock und weiteres Werkzeug der Zeugschmiede.

    Der Kaufpreis betrug 160 Schweizer Franken – damals eine erhebliche Summe. Besonders interessant ist, dass Ludwig Willimann kostenlos in der Schmiede seines Onkels arbeiten durfte, bis die Zahlung vollständig geleistet war. Dies zeigt die familiären und wirtschaftlichen Strukturen des damaligen Handwerks.

    Die Urkunde vom 1. Juni 1838 markiert somit den Beginn der eigenständigen Tätigkeit Ludwig Willimanns als Meisterschmied.

    Die spätere Entwicklung der Familie Willimann zeigt, welche Bedeutung diese frühe Phase hatte. Aus der kleinen Zeugschmiede entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts eine bekannte Zangenproduktion.

    Ludwig Willimann spezialisierte sich später auf Schusterfalzzangen. Seine Werkzeuge wurden international verkauft, und 1880 ließ er eine selbst entwickelte Falzzange patentieren.

    Das Wanderbuch steht deshalb symbolisch am Anfang einer bemerkenswerten industriellen Entwicklung: vom wandernden Gesellen, zum selbständigen Handwerker, bis hin zum erfolgreichen Werkzeugproduzenten.

    Heute besitzt das Wanderbuch nicht nur familiengeschichtlichen Wert, sondern auch große Bedeutung für Sozialgeschichte, Handwerksgeschichte und Wirtschaftsgeschichte der Schweiz. Es dokumentiert die Mobilität von Handwerkern in einer Zeit ohne moderne Verkehrsmittel. Gesellen legten oft hunderte Kilometer zu Fuß zurück und lebten unter einfachen Bedingungen.

    Das Wanderbuch von Ludwig Willimann aus der Zeit um 1834 ist weit mehr als ein persönliches Reisedokument. Es verkörpert die klassische Handwerkstradition des 19. Jahrhunderts und zeigt exemplarisch den Weg eines jungen Schweizer Gesellen vom wandernden Handwerker zum erfolgreichen Unternehmer.

    Das Dokument erlaubt damit einen seltenen und anschaulichen Blick auf die Lebenswelt eines Schweizer Handwerkers im Vormärz und auf die Anfänge eines später international bekannten Werkzeugbetriebs.

    File: Verkaufsurkunde Zeugschmiede Willimann 1838.jpg

    File: Stammbaum Willimann.jpg

    File: Zeugschmied Ludwig Willimann.jpg
    Date
    Source https://willimann-sanitaer.ch/Firmenchronik (Privatarchiv)
    Author Markus Willimann

    Wortgetreue Übersetzung vom Original:

    1. Eintrag: Inhaber geht nach Laufenburg. Luzern, 25. Juli 1834, Polizei Direktion Luzern

    2. Eintrag: Inhaber hat mit viel Geschicklichkeit beim Zeugschmied Michael Willimann in Albert gearbeitet und hat sich klaglos betragen, was beurkundet wird. Albert, den 27. September 1838, Bürgermeister

    Licensing

    [edit]
    I, the copyright holder of this work, hereby publish it under the following license:
    w:en:Creative Commons
    attribution share alike
    This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.
    You are free:
    • to share – to copy, distribute and transmit the work
    • to remix – to adapt the work
    Under the following conditions:
    • attribution – You must give appropriate credit, provide a link to the license, and indicate if changes were made. You may do so in any reasonable manner, but not in any way that suggests the licensor endorses you or your use.
    • share alike – If you remix, transform, or build upon the material, you must distribute your contributions under the same or compatible license as the original.

    File history

    Click on a date/time to view the file as it appeared at that time.

    Date/TimeThumbnailDimensionsUserComment
    current08:26, 3 November 2025Thumbnail for version as of 08:26, 3 November 20251,239 × 1,939, 4 pages (3.07 MB)Zangenfabrik1820 (talk | contribs)Uploaded own work with UploadWizard

    There are no pages that use this file.

    Metadata