Trachtenbuch des Christoph Weiditz

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So genanntes Trachtenbuch des Christoph Weiditz, um 1530–1540. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Hs. 22474.

Transkription und Verständnishilfe[edit]

Bl. 1

Bl. 1:

Auf die Manier gand Indianische Weiber, Ist nit mer dan aine herrauss kumen.

Auf diese Manier gehen indianische Weiber, [es] ist nicht mehr als eine herausgekommen (= nach Europa mitgebracht worden?)



Bl. 2–3

Bl. 2:

Allso gand die Indianer, hanndt Köstliche Edle stain Im antlitz versetzt, Kinde Es Herr aus thon wan sy wölen, und Wider hinein setzen / holzschall

So gehen die Indianer, haben köstliche Edelsteine im Gesicht versetzt, können es heraustun wann sie wollen und wieder einsetzen. / Holzschale


Bl. 3:

Das Ist auch ain Indianen Man.

Das ist auch ein Indianischer Mann.



Bl. 4–5

Bl. 4:

Das Ist auch ain Indianer ain Edler auf Ire Manier.

Das ist auch ein Indianer, ein Edler nach ihrer Manier


Bl. 5:

Das ist auch die Indianisch Manier, wie sye hilzin kanten herauss bracht haben, darauss sy trincken.

Das ist auch die indianische Manier, wie sie hölzerne Kannen hergestellt haben, aus denen sie trinken.



Bl. 6–7

Bl. 6:

Allso würfft Er das holtz vber sich mit den fiessen

So wirft er das Holz über sich mit den Füßen


Bl. 7:

Allso gand sy In Indian mit Irer Wer Zway tausent meill wögs, Da man das golt findt in dem Wassern.

So gehen sie in Indien mit ihrer Waffe zweitausend Meilen Weges dahin, wo man das Gold findet im Wasser



Bl. 8-9

Bl. 8:

Das Ist ain Indianer der ligt auff dem Rucken, vnnd Wirfft ain holtz aus der versten heraus, Ist aines mans lang vnnd so schwer hat auf der Erdt ain lötter vnder Im Ist als gros als ain kalbs vell

Das ist ein Indianer, der liegt auf dem Rücken und wirft ein Holz aus der Ferse(?) heraus, das so lang und so schwer wie ein Mann ist, [er] hat auf dem Boden eine Decke (~ Lotterbett?) unter ihm, so groß wie ein Kalbsfell.


Bl. 9:

Allso Enpfachtt Er Wider das holz auff die vies, so ers auff geworffen hat.

So empfängt er wieder das Holz auf die Füße, das er hochgeworfen hat.



Bl. 10–11

Bl. 11:

Auf soliche manier spilen die Indianer mit ainem auf geblassen bal mit dem hindert On die hend an Zue Rieren auf der Erdt haben auch ain hardt leder for dem hindern dar mit er vom bal den widerstreich Entpfacht haben auch solich ledern hent schuech an

Auf solche Manier spielen die Indianer mit einem aufgeblasenen Ball mit dem Hintern ohne die Hände anzurühren auf dem Boden. [Sie] haben auch ein hartes Leder vor dem Hintern, damit dieses vom Ball den "Widerstreich" empfängt. Sie haben auch solche lederne Handschuhe an.



Bl. 12–13

Bl. 12:

Das send die Indiannisch leit der verdinant Cordesyus K [Ligatur]tt aus India heraus bracht hatt, vnnd haben also vor K [Ligatur] gespilt mit dem holtz vnnd Ball

Das sind die indianischen Leute, die Ferdinand Cortez Kaiserlicher Majestät aus Indien heraus [mit]gebracht hat, und sie haben so vor Kaiserlicher Majerstät gespielt mit dem Holz und Ball.


Bl. 13:

Mit dem fingern Ratten sy Wie die Italianen

Mit den Fingern „ratten“ sie wie die Italiener.



Bl. 14-15

Bl. 14:

Allso gand die Mann gemainclich In Portingall.

'So gehen die Männer gemeinhin in Portugal.


Bl. 15:

Allso gand die Weyber Gemainklich Im Kinig Reich Zue Portugall

So gehen die Weiber gemeinhin im Königreich zu Portugal.



Bl. 16–17

Bl. 16:

Allso klagen gemainlich die Weyber zu saragossa

So klagen (trauern) gemeinhin die Weiber zu Saragossa.


Bl. 17:

Allso gand die Reichen prelotten Inn Kinig Reich Zu Tolleda.

So gehen die reichen Prälaten im Königreich zu Toledo.



Bl. 18–19

Bl. 18:

Allso gans die Frauen Im galira(?) Zum gunckell Hauss vnnd Iber lanndtt

So gehen die Frauen in Galizien(?) zum Kunkelhaus (zur Spinnstube) und über Land.


Bl. 19:

Das Ist ain Castillianischer Baur Wen Er Inn ain Stat zue Marckth gett oder mit ainn Esell Reitt

Das ist ein kastilianischer Bauer, wenn er in eine Stadt zum Markt geht oder mit einem Esel reitet.



Bl. 20–21

Bl. 20:

Das Ist ain Kastillianischer Hiertt

Das ist ein kastilianischer Hirt.


Bl. 21:

Allso gand die armen gefangen die von dem Barbar Ressa seind gewesen vmb gotz Willen zue bitten Ire fraindt so noch gefangen sind aus zeleseen

So gehen die Armen, die von dem Barbar Ressa gefangen wurden, um Gottes Willen zu bitten, ihre Freunde, die noch gefangen sind, auszulösen.



Bl. 22–23

Bl. 22:

Allso Tragen die verkaufften moren gaiss heytt mit wein klaret In Castillien wen sy Irem Heren Entlauffen miessen sy Darnach also arbaiten vnd ketentragen

So tragen die verkauften Mohren Gaißenhäute mit Wein (Claret) in Kastilien. Wenn sie ihrem Herrn entlauffen, müssen sie danach so arbeiten und Ketten tragen.


Bl. 23:

Allso gand die frauen In Kinig Reich Castilla auf der gassen vnnd In Kirchen / Senora /

So gehen die Frauen im Königreich Kastilien auf der Gasse und in die Kirche / Senora



Bl. 24–25

Bl. 24:

Also fieren sy Ire weiber spaciern In Vollodolitt, hinder Inen

So führen sie ihre Weiber spazieren in Valladolid, hinter ihnen


Bl. 25:

Esclauer

Sklave



Bl. 26–27

Bl. 26:

Also klagen die Reichen man Im Kinig Reich Castillia Wen In ain fraindt stirbtt

So klagen die reichen Männer im Königreich Kastilien, wenn ihnen ein Freund stirbt.


Bl. 27:

Allso klagen die Weyber In Kastillia vnd schreyen peintlich darzue war vmb Er gestarben sey / sy sey doch schön vnnd holtzsellig Reich vnd frum

So klagen die Weiber in Kastilien und schreien peinlich (schmerzlich ) dazu, warum er gestorben sei, sie sei doch schön und holdselig, reich und fromm.



Bl. 28

Bl. 28:

Allso schlagen sy die man Im Kinig Reich saragosa vmb Ir buess

So schlagen sich(?) die Männer im Königreich Saragossa um ihrer Buße [willen].



Bl. 29–30

Bl. 29:

Disser Ist auch ain pregantter oder waybel Inn Castillia der voraus gatt vnd auss schreitt wen man ain Ibellthetter strafft

Diser ist auch ein "Pregantter" (pregonero) oder Weibel in Castillien, der vorausgeht und ausschreit (ausruft), wenn man einen Übeltäter straft.


Bl. 30:

Dis send die fromen spanier die seckell abschneiden oder sonst stellen die schlecht man also auff ainan Esell auss / dieb / ladron / hencker

Dies sind die frommen Spanier, die Säckel abschneiden oder sonst stehlen, die schlägt man so auf einen Esel aus / Dieb / Ladron(?) / Henker



Bl. 31-32

Bl. 31:

Hie gatt der spanisch scherg hin auss

Hier geht der spanische Scherge hinaus.


Bl. 32:

Hie Reitt der spanisch Augusill hinden Nach gott waiss wie frum sy sinden das Ist der [R?]ott stab, des sy woll ainne[n?] vorr hietten mag

Hier reit der spanische "alguacil" (Polizeidiener) hinterher. Gott weiß, wie from sie sind (oder sünden??)! Das ist der ?



Bl. 33-34

Bl. 33:

So fahret man den Wein in Tolleto

So fährt man den Wein in Toledo.


Bl. 34:

Allso fiert man den Wein Zue Tollette In gaisheytten

So führt man den Wein zu Toledo in Gaißenhäuten.



Bl. 35-36

Bl. 36:

Allso der gestalt Karren vnnd fuerleitt braucht man In Castillien K: M: wen Er Iber Land fertt Zum [t?]rosten

Solchgestalt Karren und Fuhrleute gebraucht in Kastilien Kaiserliche Majestät, wenn er über Land fährt zum Drosten(?) (Richten?).



Bl. 37-38

Bl. 38:

Allso dryst man das koren In Hispania auss fert mit ainnem bredt dar auf vmb hin vnnd her des veler stainn ligt

So drischt man das Korn in Spanien, [man] fährt mit einem Brett darauf hin und her, das voller Steine liegt.



Bl. 39-40

Bl. 39:

Also fiern sy die mell sack auf den Eslen In die Müll In hispanien

So führen sie die Mehlsäcke auf den Eseln in die Mühle in Spanien.


Bl. 40:

Allso seübern sy das drayt In hispania

So säubern sie das Getreide in Spanien.



Bl. 41-42

Bl. 42:

Allso füert man das waser In Kastilia vnnd In vill gros stett auff der gassen zu verkauffen vmb 3 Blancken aus dem fliesent Wasser

So führt man das Wasser in Kastilien und in vielen großen Städten auf der Gasse zu verkaufen um 3 Blanken aus dem fließend Wasser.



Bl. 43-44

Bl. 43:

Allso fiertt man die Edlen weyber wan sy klagen Inn Katholonia / Wissell

So führt man die edlen Weiber, wenn sie klagen, in Katalonien. / Wiesel


Bl. 44:

Allso tragen die megdt In spania an Etlichen End Waser auf dem kopf ain perg auff / Kreps anschove

So tragen die Mägde in Spanien an etlichen Orten Wasser auf dem Kopf einen Berg hinauf. / Anchovi-Krebs



Bl. 45-46

Bl. 46:

Aalso Reiten die Spanischen prelaten spaziern im Tolete mit ainem Junngen hinden nach lauffent der im pantoffl nach tregt

So reiten die spanischen Prälaten spazieren in Toledo mit einem Jungen hinterherlaufend, der ihm Pantoffel nachträgt.



Bl. 47-48

Bl. 47:

Disser Ist ain spanischer Edelman der spaciern Reytt

Dieser ist ein spanischer Edelmann, der spazierenreitet.


Bl. 48:

Also Reitten die peirin alweg zuo marckt brott vnnd and… ding zue kaufften Inn parpingan

So reiten die Bäuerinnen allweg (überall) zu Markt, Brot und andere Dine zu kaufen in Perpignan.



Bl. 49-50

Bl. 49:

Also Reittyn sy mit Iren Weyber In Rossolonia

So reiten sie mit ihren Weibern in Roussillon.



Bl. 51-52

Bl. 52:

Also fieren die Katholanier Iren weyber vber Lannd

So führen die Katalanen ihre Weiber über Land.



Bl. 53-54

Bl. 54:

Allso tragen die Verkaufften fäess wasser auf die galleon

So tragen die Verkauften (Slaven) Fässer [voll] Wasser auf die Galeone.



Bl. 55-56

Bl. 55:

Das gottalb(?) sey

Das ?


Bl. 56:

Also gand sy zu acker In spania

So gehen sie zu Acker (pflügen sie) in Spanien.



Bl. 57-58

Bl. 57:

Allso gandt die Frawen in spania hindderwertz vnnd Firwertz zu sech[en]

So gehen die Frauen in Spanien, von hinterwärts (hinten) und vorwärts (vorne) zu sehen



Bl. 59-60

Bl. 59:

Dass Ist die margreffin von Zeneto graff Hainrich von Nasa weib auf die manier gand sy im Kinigreych toleto allso sicht sy Irem heren nach wie er mit K. M. iber mer nach Jenua ferdt

Das ist die Markgräfin von Zenette (Doña Menzia Cenete), Graf Heinrichs von Nassau Weib. Auf diese Manier gehen sie im Königreich Toledo. So sieht sie ihrem Herren nach, wie er mit Kaiserlicher Majestät über Meer nach Genua fährt.


Bl. 60:

Allso gand die Frauen Im Kinig Reich asarcilia/marcilia(?) In sybillien der stat mit 50 tausentt heysern

So gehen die Frauen im Königreich […?], in Sevilla, der Stadt mit 50tausend Häusern.



Bl. 61-62

Bl. 61:

Also gatt stock mayster auch hin aus

So geht der Stockmeister auch hinaus.


Bl. 62:

Allso schlecht man die allten weiber die Riffienerin die stellen vnd setzen sy auf ain laitter dar nach wirft Er Ir scher woll In die wunden

So schlägt man die alten Weiber, die Riffinerin (?), die stellen und setzen sie auf eine Leiter, danach wirft er ihr Scherwolle in die Wunde.



Bl. 63-64

Bl. 63:

Diess Ist auch ain angusell der Frumen geselen ainer der aller Eren Woll darff

Dies ist auch ein Gesell, der frommen Gesellen einer, der aller Ehren wohl darf [~ dem man alle Ehren wohl erweisen darf?])


Bl. 64:

Allso Reiden die Burger Zue valentzia mit Irenn weiber In Iren lustgartten

So reiten dei Bürger zu Valencia mit ihren Weibern in ihren Lustgarten.



Bl. 65-66

Bl. 65:

Das Ist ain priester Inn Rossolna

Das ist ein Priester in Roussillon.


Bl. 66:

Allso Reitten die herbaucker In spanig Wen der Kayser In ain statt Reitt

So reiten die Heerpauker in Spanien, wenn der Kaiser ein eine Stadt reitet.



Bl. 67-68

Bl. 67:

Allso gand sy auch zu Barsoleria

So gehen sie auch in Barcelona.


Bl. 68:

Allso gand die Junckfrauen In Barsolona den mer tayll mitt auß geschnitt schuech

So gehen die Jungfrauen in Barcelona, mehrteils mit ausgeschnittenen Schuhen.



Bl. 69-70

Bl. 69:

Allso gnad die Junckfrawen Inn barsolona hinder wertz an zesechen

So gehen die Jungfrauen in Barcelona, von hinterwärts (hinten) gesehen.


Bl. 70:

Also biessentt die sünder In Castillia am grien donerstag virr Ir Buß die man gibtt

So büssen die Sünder in Kastilien am Gründonnerstag für ihre Bußen, die man ihnen gibt (auferlegt).



Bl. 71-72

Bl. 71:

Das send die Kemermegdt

Das sind die Kammermägde.


Bl. 72:

Also gand die Reichen Frawen Zue Barsoloina oder Inn Kinig Reich Katollonia

So gehen die reichen Frauen zu Barcelona oder im Königreich Katalonien.



Bl. 73-74

Bl. 73:

Ain spanischer schurtz

Ein spanischer Schurz.


Bl. 74:

Allso schepfen sy das süess wasser zu Barsölonia auf die Naue vnd gallea das Es dester Ee von Stat geng wen sy die schif speysen oder sonst waser dirffen

So schöpfen sie das Süßwasser zu Barcelona auf die Schiffe und Galeonen, das es desto ehe (schneller) von statten geht, wenn sie die Schiffe speisen (laden) oder sonst Wasser bedürfen.



Bl. 75-76

Bl. 76:

Dar nach fiert sy der Herr also gestalt mit ainer gaisell schlagts auf ain Esell hinauss

'Danach führt sie der Herr dergestalt – mit einer Geißel schlägt er sie – auf einem Esel hinaus.



Bl. 77-78

Bl. 77:

Don Ferdinando Cordesyus 1529 seines altars Im 42 diser hat derr kay: M: ten karolus dem fünfften darnach gannz Inndiann gewunen

Don Ferdinand Cortez 1529, seines Alters im 42. [Jahr]. Dieser hat der Kayserlichen Majestät Karl V. danach ganz Indien gewonnen.


Bl. 78:

Allso Ist der Stoffell weyditz mit dem kolman holmschmidt Iber Mers gevarn.

So ist der Stoffel (Christoph) Weiditz mit dem Koloman Holmschmidt übers Meer gefahren.



Bl. 79-80

Bl. 80:

Also ziechen sy die schiff zue Barsolona auf vnd Nider Im haffen

So ziehen sie die Schiffe zu Barcelona auf (hoch) und nieder (herunter) im Hafen.



Bl. 81-82

Bl. 81:

Allso henckt man die pferdt In der nauen wan man sy Iber mörr fieren will

So hängt man die Pferde im Schiff wenn man sie über Meer führen will.


Bl. 82:

Also verschopen sy die […] In hispanien

So dichten(?) sie die [Schiffe] in Spanien.



Bl. 83-84

Bl. 83:

Andre doria ain fürst zue melpin, hatt Bei K. M. vill dreffenliche datten gedon, vnnd noch auff dem mörr deglich thuett

Andrea Doria, ein Fürst zu Melfi, hat bei Kaiserlicher Majestät viel treffliche Taten getan, und tut noch auf dem Meer täglich [neue].


Bl. 84:

Also sytz Oder her vom schif auff aim glender auff dem schiff In spania wan sy Iber mör faren

So sitzt der Herr vom Schiff auf einem Geländer auf dem Schiff In Spanien, wenn sie über Meer fahren.



Bl. 85-86

Bl. 85:

Das Ist der Batrol auf dem schiff der das schiff laitt vnd Reigiert, stat stil vnd sicht die wind an wie Es das schiff haben will pfeicht Er mit dem pfeiflin so wisen die Barckerol was sy thon sollen vnd wan sy felen so zeucht Er sein strick vnd gibt Inn strackole(?) Corde(?)

Das ist der Patron auf dem Schiff, der das Schiff leitet und regiert, steht still und sieht die Winde an, wie es das Schiff haben will. Pfeift er mit dem Pfeiflein, so wissen die Barkerolen, was sie tun sollen und wenn sie fehlen (Fehler machen), so zieht er seinen Strick und gibt ihnen …(?)


Bl. 86:

Das Ist auch ain Oberster Barckeroll auf ain schiff der das Rueder zeucht hinden

Das ist auch ein oberster Barkerol auf einem Schiff, der das Ruder hinten zieht.



Bl. 87-88

Bl. 88:

Allso dergestalt Ist der Edlen Teuschen Beklaydung gewesen vor Etlichen Jaren

So dergestalt ist der edlen Deutschen Bekleidung gewesen vor etlichen Jahren.



Bl. 89

Bl. 89:

Allso gend die Edlen frauen wen Es hayss Ist zu valentzia In die kirchen

So gehen die edlen Frauen, wenn es heiß ist, zu Valencia in die Kirche.



Bl. 90

Bl. 90:

Allso gend die Frawen Zu wien In Ostreich In Irer Beklaidung

So gehen die Frauen zu Wien in Österreich in ihrer Bekleidung.



Bl. 91-92

Bl. 91:

Allso gand die frawen In Rossoloin gemainlich

So gehen die Frauen in Roussillon gemeinhin.


Bl. 92:

Also tantzentt sy In landadeck bey Narbeina

So tanzen sie in Languedoc bei Narbonne.



Bl. 93-94

Bl. 93:

Allso gand sy auch In langedeck auf der frontier gen spina

So gehen sie auch in Languedoc auf der Grenze gen Spanien.


Bl. 94:

Allso Tragent die medlin wasser In henigau

So tragen die Mädchen Wasser in Hennegau.



Bl. 95-96

Bl. 95:

Also gand die Frauen In pamollana oder Kinig Reich nauera

So gehen die Frauen in Pamplona oder Königreich Navarra.


Bl. 96:

Hernach volgtt wie die Weiber vnnd man Junckfrauen geklaitt gand auf der gassen hinder werts Zesechen Im Kinig Reich granatta merisgen

Hernach folgt, wie die Weiber und Jungfrauen gekleidet gehen auf der Gasse, hinterwärts zu sehen (von hinten gesehen), im Königreich Granada Morisken.



Bl. 97-98

Bl. 97:

Allso gandt die morysgen weiber für sich an Zuesechen auf der gassen In granada

So gehen die Morisken-Weiber für sich anzusehen auf der Gasse in Granada.


Bl. 98:

Also gand die Edlen Frawen moisgen auf der gassen In granada s[c/e?]ytzlin(?) gnant daffa hun

So gehen die edlen Frauen Morisken auf der Gasse in Granada ? genannt ?



Bl. 99-100

Bl. 99:

Allso gand die morysgen frawen Im [h?]aus In granada

So gehen die Morisken-Frauen im Haus in Granada.


Bl. 100:

Allso gandt die Morisgen frawen In Irm hauss mit Irem kindt / medlin /

So gehen die Morisken-Frauen in ihrem Haus mit ihrem Kind / Mädchen



Bl. 101-102

Bl. 101:

Allso gand die Marisgen In Irem hauss spinen Inn granada

So gehen die Morisken in ihrem Haus spinnen in Granada.


Bl. 102:

Allso gan keren die morysgen frauen Ir hauss auß

So gehen kehren die Morisken-Frauen ihr Haus aus.



Bl. 103-104

Bl. 103:

Allso gend die moristgen Junckfrau[en] In Irem Hauss

So gehen die Morisken-Jungfrauen in ihrem Haus.


Bl. 104:

Moristgen man gnant In Irer sprach machao

Morisken-Männer genannt in ihrer Sprache "machao"



Bl. 105-106

Bl. 105:

Allso zeucht der morystg mit weyb vnnd kindt Iber lang Oder In seinen lustgarten aus der stat granado dan sy vill hipscher gerten hand mit allerlai frucht vnd seltzam

So zieht der Morisk mit Weib und Kind über Land oder in seinen Lustgarten aus der Stadt Granada, wo sie viel hübsche Gärten haben mit allerlei Frucht und ?


Bl. 106:

Allso zeucht die Frau mit Irem man vnnd Kindt yber landt

So zieht die Frau mit ihrem Mann und Kind über Land.



Bl. 107-108

Bl. 107:

Allso dantzen die morystgen mit ain ander schnölle mit den Fingern dar zue

So tanzen die Morisken miteinanander schnell mit den Fingern dazu.


Bl. 108:

das Ist das moristgis dantz spil schre… dar zu wie die kelber

Das ist das moriskische Tanzspiel. Schre[eien] dazu wie die Kälber.



Bl. 109-110

Bl. 109:

Allso gand die Frawen Im Kinig Reich Valencia spacirn auf der gassen

So gehen die Frauen im Königreich Valencia spazieren auf der Gasse.


Bl. 110:

Allso gand sy auch die Frawen Im Kinig Reich nauera oder pampolloma

So gehen sie auch die Frauen im Königreich Navarra oder Pamplona.



Bl. 111-112

Bl. 111:

Allso gand sy auch In na[u]era Im birg auff die manier

So gehen sie auch in Navarra im Gebirge auf diese Manier.


Bl. 112:

Dass Ist die manier auf der Fortier vnnd Birg In bistaye gemainklich

Das ist die Manier auf der Grenze und [im] Gebirge in Biscaya (Baskenland) gemeinhin.



Bl. 113-114

Bl. 113:

Allso gand die Fraue auf dem Birg Im Kinig Reich pampollaina auf der [F]rontier Bistaye

So gehen die Frauen auf dem Gebirge im Königreich Pamplona auf der Grenze in Biscaya (Baskenland).


Bl. 114:

Dass Ist auch ain manier von Frawen Bistaye

Da ist auch eine Manier von Frauen in Biscaya (Baskenland).



Bl. 115-116

Bl. 115:

Allso gand die Frau Im Birg In Bistayen

So gehen die Frauen im Gebirge in Biscaya (Baskenland).


Bl. 116:

Allso Dantzen sy auff die manier In Bistayen

So tanzen sie auf die Manier in Biscaya (Baskenland).



Bl. 117-118

Bl. 117:

Allso gand die alten weiber Zue sanndt anders In Bistayen

So gehen die alten Weiber zu Santander in Biscaya (Baskenland).


Bl. 118:

Allso gand Edtlich alten weibern In Bistayen Zue Kirchen

So gehen etliche alte Weiber in Biscaya (Baskenland) zur Kirche.



Bl. 119-120

Bl. 119:

Allso spinen sy In Bistayen auff der gassen vnd Im Hauss

So spinnen sie in Biscaya (Baskenland) auf der Gasse und im Haus.


Bl. 120:

Allso gand die Frawen In Bystayen auf den Feirttag Im Hauss vnd auf der gassen

'So gehen die Frauen in Biscaya (Baskenland) auf den Feiertag im Haus und auf der Gasse.



Bl. 121-122

Bl. 121:

Allso gand die Reichen weyber Im Bistayen

So gehen die reichen Weiber in Biscaya (Baskenland).


Bl. 122:

Allso gand die frawen zue parta Rauoy

So gehen die Frauen an der „parta Rauoy“(?)



Bl. 123-124

Bl. 123:

Allso gand die Frawen zue sanctt andres zue Kirchen

So gehen die Frauen zu Santander zur Kirche.


Bl. 124:

Allso gandt sy auch Inn Birg zue santt andres auch In Bistaye

So gehen sie auch im Gebirg zu Santander auch in Biscaya (Baskenland).



Bl. 125-126

Bl. 125:

Allso gand sy zu santt maria In Bistayen

So gehen sie zu St. Maria in Biscaya (Baskenland)


Bl. 126:

Allso gand die Frawen In Bistayen zue Kirchen mit andachtt dan sy Redlich from leitt send

So gehen die Frauen in Biscaya (Baskenland) zur Kirche mit Andacht, da sie redliche fromme Leute sind.



Bl. 127-128

Bl. 127:

Allso gand die frawen auch Im Birg Im bistayen auff der frontier gegen Franck Reich

So gehen die Frauen auch im Gebirge in Biscaya (Baskenland) auf der Grenze gegen Frankreich.


Bl. 128:

Das Ist auch ain allts weibe In bistayen, die [n?]it Öpfell möst [n?]it Trincken wirtt

Das ist auch ein altes Weib in Biscaya (Baskenland), die ? Äpfelmost ? trinken wird.



Bl. 129-130

Bl. 129:

Dass Ist auch ain Bistayen Fraw mit Ir manier vnd fantasey

Das ist auch eine Biscayische (baskische) Frau mit ihrer Manier und Fantasie.


Bl. 130:

Allso gand sy auch auff der Frontier Im birg zue Bistayen

So gehen sie auch auf der Grenze im Gebirge zu Biscaya (Baskenland).



Bl. 131-132

Bl. 131:

Allso gand die Junckfrawen Inn Bistayen Ee sy heiratten

So gehen die Jungfrauen in Biscaya (Baskenland) ehe sie heiraten.


Bl. 132:

Allso gand die Ledigen gesellen Inn Bistayen

So gehen die Ledigen Gesellen in Biscaya (Baskenland)



Bl. 133-134

Bl. 133:

Allso lauffen die Bauren Inn Bistayn mit Irer Werr

So laufen die Bauern in Biscaya (Baskenland) mit ihrer Wehr (Waffe).


Bl. 134:

Allso gand die Kriegsleit zu Bistayen

So gehen die Kriegsleute zu Biscaya (Baskenland)



Bl. 135-136

Bl. 135:

Allso gand die Frawen Klaitt gemainclich Im Land Bretania

So gehen die Frauen gekleidete gemeinhin im Land Bretagne.


Bl. 136:

Allso gand die Frawen In Irlanden

So gehen die Frauen in Irland.



Bl. 137-138

Bl. 137:

Allso gand die Frawen gemainclich In Engellandt

So gehen die Frauen gemeinhin in England.


Bl. 138:

Allso gand die Jungen gesellen In Engellandt

So gehen die Junggesellen in England.



Bl. 139-140

Bl. 139:

Allso gand die Weiber Im Kinig Reich naplas Oder sunst In Ittalia

So gehen die Weiber im Königreich Neapel oder sonst in Italien.


Bl. 140:

Allso gand die Frauwen In Romania

So gehen die Frauen in Rumänien.



Bl. 141-142

Bl. 141:

Allso gand die Reichen Burger In Jennoa

So gehen die reichen Bürger in Genua.


Bl. 142:

allso gand die Fawen spaciern Zu Jennoa

So gehen die Frauen spazieren zu Genua.



Bl. 143-144

Bl. 144:

Allso der gestalt gend die Frauen vnd man in venezia

So dergestalt gehen die Frauen und Männer in Venedig.



Bl. 145-146

Bl. 145:

Allso gand die Reichen Junckfrawen Im Francken Reich auch in Hemgau

So gehen die reichen Jungfrauen in Frankreich, auch in Hennegau.


Bl. 146:

Allso gand die frawen Im land zu limossyn

So gehen die Frauen im Land zu Limousin.



Bl. 147-148

Bl. 147:

Allso knetten sy den taig Im seeland

So kneten sie den Teig in Zeeland.


Bl. 148:

Allso sytzen die Weyber In Henigaw Wan sy neen

So sitzen die Weiber in Hennegau, wenn sie nähen.



Bl. 149-150

Bl. 149:

Allso gand die Breitten Im nider Landt Zu Kirch

So gehen die Bräute in den Niederlanden zur Kirche.


Bl. 150:

Allso gand die flemischen frawen In Kirch

'So gehen die flämischen Frauen in die Kirche



Bl. 151-152

Bl. 151:

Allso gand sy gemainclich die Frawen In Holland

So gehen sie gemeinhin, die Frauen in Holland.


Bl. 152:

Allso gand die weyber In seeland Etlich Enden

So gehen die Weiber in Zeeland an etlichen Orten.



Bl. 153-154

Bl. 153:

Allso gand die Frawen an Ettlichen Enden In frieß Landt

So gehen die Frauen an etlichen Orten in Friesland.


Bl. 154:

Allso an Ettlichen Enden gend die Friesslendischen frawen Beklait

So an etlichen Orten gehen die friesländischen Frauen bekleidet.

Literatur[edit]

  • Ausgabe von Theodor Hampe: Das Trachtenbuch des Weiditz von seinen Reisen nach Spanien (1529) und den Niederlanden (1531/32). 1927 (Google Books, snippets only)
  • Andrea McKenzie Satterfield: The assimilation of the marvelous other: Reading Christoph Weiditz's Trachtenbuch (1529) as an ethnographic document. (scholarcommons.usf.edu)

Hinweise[edit]

Hinweis zu den verwendeten Scans: Die Scans des GNM sind in Einzelseiten aufgeteilt, was bei den häufig doppelseitig aufgefassten Gemälden zu teilweise völlig unbrauchbaren Ergebnissen führt (geteilte Kutschen, Pflüge, Ballspieler etc.). Daher wurden die Seiten vor dem Hochladen zu Doppelseiten zusammengefügt, was unterschiedlich gut gelang, für den Gesamteindruck jedoch ausreichen sollte.

Hinweis zur Transkription: Diese Seite soll vor allem die durch ständig wechselnde Schreibungen und kaum verständliche Ortsbezeichnungen etwas mühsame Erstlektüre des Texts erleichtern. Die Transkription wurde anhand der Scans vorgenommen und soll ergänzt und korrigiert werden. Einzelne Lesungen, nicht jedoch alle für den Erstbearbeiter dieser Seite unlesbaren oder unverständlichen Wörter, konnten anhand der Google-Snippets von Hampes Ausgabe (1927) verglichen werden. Die Verständnishilfe in heutigem Deutsch versucht heute noch halbwegs verständliche Wörter zu erhalten und bevorzugt auch ähnlich lautende Wörter vor einer reinen modernen Übersetzug (also: "Gasse" statt "Straße"; "Manier" statt "Art"; "gemeinhin" statt "normalerweise" für "gemainiclich"). Auch hier sind Ergänzungen und Korrekturen, vom Tippfehler bis zur Umformulierung ganzer Sätze, ob aus eigener Kenntnis oder anhand von Hampes Ausgabe, erwünscht! Wünschenswert wäre auch eine englische Übersetzung des fertigen Texts.